Die Waschräume Europas: Keine Hygiene für das Volk

Wie sauber sind öffentliche Toiletten?

Die Menschen verkneifen sich den Toilettengang, wenn es darum geht öffentliche Waschräume aufzusuchen. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag von CWS-boco. Ein Großteil der Befragten vergibt schlechte Noten für öffentliche Toiletten. Mit der passenden Ausstattung lassen sich Waschräume leicht aufwerten und das Wohlbefinden der Besucher steigern. Ein nachhaltig konzipierter Waschraum zahlt sich langfristig auch wirtschaftlich aus, denn die Umfrageteilnehmer bestätigten, dass sich ein Waschraum positiv oder auch negativ auf das Image einer ganzen Einrichtung auswirken kann.

Alle wünschen sich einen sauberen Waschraum: Ob jung oder alt, nahezu alle Teilnehmer der Umfrage, über alle Länder hinweg, gaben an, dass Sauberkeit in öffentlichen Waschräumen wichtig bzw. sehr wichtig ist (97 Prozent). Obwohl Frauen in der Regel einen höheren Anspruch an Sauberkeit haben, sind sich die Geschlechter hier fast einig. Den Wunsch, eine saubere sanitäre Räumlichkeit anzutreffen, haben hier Männer (96 Prozent) und Frauen (98 Prozent) gleichermaßen. Den Befragten ab 41 Jahren ist die Sauberkeit etwas wichtiger als der ganz jungen Teilnehmergruppe zwischen 16 und 20 Jahren.

CWS-boco Umfrage WCs - Meiden von Toiletten

Anhalten ist die Devise

Auch wenn es noch so sehr drückt. Knapp 60 Prozent aller Befragten vermeiden öffentliche Toiletten häufig bis sehr häufig. In Deutschland und Belgien verkneifen sich sogar 65 Prozent den Gang auf eine öffentliche Toilette.

Das Alter ändert nichts an der Tatsache, dass über die Hälfte der Befragten den Besuch eines öffentlichen Waschraums ablehnen. In der Altersgruppe der 21- bis 30-jährigen ist die Abneigung mit 66 Prozent sogar am höchsten.
Frauen ist eine öffentliche Toilette besonders unangenehm. Ganze 70 Prozent der deutschen Frauen und 72 Prozent der belgischen Frauen suchen unter keinen Umständen einen öffentlichen Waschraum auf.

CWS boco Umfrage WCs - Toilette verlassen

Die Flucht aus dem Lokus

Also müssen Raumpfleger her und Aktionen für mehr Achtsamkeit im öffentlichen Waschraum. Denn 88 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal einen Waschraum wegen Unsauberkeit verlassen zu haben.

 

In Belgien sind es gar 94 Prozent und 93 Prozent in den Niederlanden. Die Altersstruktur weist hier keine großen Unterschiede auf. Allerdings zeigen sich auch hier die Frauen sensibler: 93 Prozent aller befragten Teilnehmerinnen haben Toiletten bereits wegen hygienischer Mängel verlassen. Männer zeigen sich hier etwas robuster (83 Prozent). Unwohl fühlen sich vor allem die Jüngsten (60 Prozent) und die Ältesten (63 Prozent).

CWS boco Umfrage WCs - Sauberkeit verschiedene Bereiche

Raststätten im Abseits – aber Arbeitgeber kümmern sich

Im Vergleich der (halb-)öffentlichen Waschräume am Arbeitsplatz, in Kaufhäusern, an Raststätten, Flughäfen/Bahnhöfen und in Schulen, rangieren die Arbeitgeber mit ihren Waschräumen im internationalen Vergleich an erster Stelle.

Fast 60 Prozent der Befragten bewerten die Sauberkeit an ihrer Arbeitsstelle als gut bis sehr gut. Die eidgenössischen Unternehmen toppen alles: 77 Prozent der Schweizer Arbeitnehmer zeigen sich hier zufrieden. Die Niederländer reagieren verhalten und bewerten die Arbeitgebertoiletten nur zu 34 Prozent mit Gut und Sehr gut.
Für die Kaufhäuser vergaben 37 Prozent der Teilnehmer ein Gut bis Sehr gut und 41 Prozent setzten die Toiletten der Kaufhäuser ins Mittelfeld. Die Kaufhaus-Toiletten in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden schneiden im Vergleich besonders gut ab.
Sanitären Anlagen in Schulen rangieren fast auf demselben Platz wie die von Bahnhöfen oder Flughäfen. Die Sauberkeit in den Schultoiletten wurde von 31 Prozent der Befragten mit sehr gut bis gut bewertet und von 33 Prozent wiederum als sehr schlecht bis schlecht. Die Deutschen sind besonders unzufrieden mit den Schultoiletten. 51 Prozent lehnen sie komplett ab. Besonders sauber sind die Schulen in der Schweiz. Hier bewerteten mehr als die Hälfte der Befragten die Waschräume mit einem Gut und Sehr gut (54 Prozent).
Das Urteil über die Waschräume von Bahnhöfen/Flughäfen fällt ähnlich aus wie das der Schulen: Nur 29 Prozent empfinden sie positiv; 40 Prozent beurteilen sie als sehr schlecht bis schlecht. Im Ländervergleich schneiden sie in der Schweiz, Belgien und den Niederlanden besser ab.
Die Waschräume an Raststätten bilden das Schlusslicht. Ihre Hygiene wurde von mehr als der Hälfte aller Befragten (51 Prozent) als sehr schlecht bis schlecht beurteilt. Hier zeigt sich bei den Befragten länderübergreifend dasselbe Bild. Die Bewertung war durchgängig negativ: Die Ablehnung rangierte zwischen 54 Prozent und 59 Prozent in Italien, Belgien und der Schweiz. Bei den Deutschen und den Niederländern kommen die Raststätten ein wenig besser weg.

Gutes Image durch Sauberkeit

Küche und Klo repräsentieren das gesamte Haus. Das ist in Privathaushalten so und in professionell geführten Gastronomiebetrieben (Hotel/Restaurant) erst recht. In der Umfrage bestätigen das 87 Prozent der Teilnehmer. Sie betrachten die Sauberkeit in den Waschräumen als einen Indikator für die Sauberkeit im gesamten Haus. Selbst die jüngeren Befragten machen hier keine Unterschiede. Sensibel bei Hygienethemen pflichten Frauen dem mehr zu (90 Prozent) als Männer (84 Prozent).

 

CWS boco Umfrage WCs - Kein erneuter Restaurantbesuch

Erfolgsfaktor für die Gastronomie

Wie bedeutsam der Punkt Sauberkeit in den Waschräumen auch wirtschaftlich für die Gastronomie ist, zeigt die Frage, ob die Befragten das Haus wieder besuchen würden, wenn die Toiletten nicht sauber waren. Hier sehen die Befragten rot!

 

Drei Viertel der Befragten würden einen Gastronomiebetrieb nicht mehr aufsuchen, wenn die Waschräume unsauber sind. Nur in den Niederlanden sieht man das mit 63 Prozent ein wenig lockerer. Mit dem Alter steigt der Anspruch. Stimmen bei den 16-bis 20-jährigen noch 65 Prozent zu, sind es bei den 51- bis 60-jährigen ganze 81 Prozent. Männer und Frauen stimmen hier überein.

Hohe Zahlungsbereitschaft für ein sauberes Geschäft

CWS boco Umfrage WCs - Zahlungsbereitschaft

Bezahltoiletten sind immer häufiger zu finden und auch ihre Akzeptanz in der Bevölkerung steigt. Fast drei Viertel aller Befragten sind bereit, für die Nutzung eines öffentlichen Waschraums zu bezahlen, wenn dieser ihren Ansprüchen an Sauberkeit genügt.

Gerade in Deutschland und Italien ist diese Bereitschaft besonders hoch (80 Prozent und 82 Prozent). Frauen zücken ihren Geldbeutel für ein „sauberes Geschäft“ leichter als Männer (77 Prozent zu 69 Prozent).

Kein Wohlgefühl auf dem WC

Es besteht Handlungsbedarf für angenehme öffentliche Toiletten. Denn für mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) sind öffentliche Waschräume im Allgemeinen kein Ort, an dem man sich wohlfühlt. Die Niederländer stören sich mit 43 Prozent am wenigsten an ihren Sanitäranlagen.
Besonders die Jungen (61 Prozent) und die Ältesten (64 Prozent) der Umfrage fühlen sich in Waschräumen unwohl. Frauen fühlen sich mit 65 Prozent in öffentlichen Waschräumen unwohler als die männlichen Befragten (49 Prozent).

Zur Umfrage

Das Marktforschungsinstitut net-request befragte im Januar 2017 im Auftrag der Unternehmensgruppe CWS-boco 1.000 Personen in fünf europäischen Ländern (Deutschland, Schweiz, Italien, Belgien und die Niederlande) zu ihrem Nutzungsverhalten und ihrem Hygieneempfinden in öffentlichen Waschräumen. Die Umfrage wurde repräsentativ nach Alter (16-65 Jahre) und Geschlecht durchgeführt.